
Fugen erneuern: wann es nötig ist und wie es geht
Pflege, Reparatur & Werterhalt
Fugen sind mehr als nur optisches Beiwerk zwischen den Fliesen – sie schützen den Untergrund vor Feuchtigkeit, gleichen Bewegungen im Belag aus und halten das gesamte Gefüge zusammen. Wenn Fugen bröckeln, sich verfärben oder gar Schimmel ansetzen, ist das kein kosmetisches Problem, das man aussitzen kann. In vielen Fällen ist eine Fugenerneuerung notwendig, bevor größere Schäden entstehen. Was die häufigsten Warnsignale sind, wie das Vorgehen aussieht und wann Sie besser einen Fachbetrieb hinzuziehen sollten – das erklären wir hier aus unserer langjährigen Praxis.
Wann müssen Fugen erneuert werden?
Nicht jede leicht verfärbte Fuge muss sofort heraus. Es gibt jedoch klare Anzeichen, die eine Erneuerung notwendig machen:
- Bröckelnde oder rissige Fugen: Wenn der Fugenmörtel mürbe wird, sich Stücke herauslösen oder sichtbare Risse entstehen, ist die Schutzfunktion nicht mehr gegeben. Wasser kann eindringen und den Untergrund oder die Verklebung angreifen.
- Hartnäckige Verfärbungen: Graue oder braune Flecken, die sich durch Reinigung nicht mehr entfernen lassen, deuten auf tief eingedrungenen Schmutz oder Kalkablagerungen hin. Manchmal hilft eine intensive Reinigung noch – ist das Fugenmaterial aber dauerhaft porös geworden, muss es raus.
- Schimmelbefall: Schwarze Flecken in der Fuge sind ein ernstes Signal, besonders im Badezimmer. Oberflächlicher Schimmel lässt sich manchmal behandeln, aber wenn der Pilz tief ins Fugenmaterial eingewachsen ist, ist eine vollständige Erneuerung die einzig sinnvolle Lösung.
- Hohlklingende oder fehlende Abschnitte: Fugen, die stellenweise fehlen oder beim Abklopfen hohl klingen, können auf Bewegungen im Untergrund oder auf Haftungsprobleme hinweisen.
- Defekte Silikonfugen an Anschlüssen: Besonders die Randfuge – also die elastische Fuge an Wand-Boden-Übergängen, Ecken und Anschlüssen an Sanitärobjekte – ist häufig aus Silikon und reißt oder löst sich mit der Zeit ab. Diese Fuge ist besonders kritisch, da hier Wasser besonders leicht eindringt.
Zementfuge oder Silikonfuge – was ist der Unterschied?
Bevor man mit der Erneuerung beginnt, muss man wissen, womit man es zu tun hat. Im Fliesenbereich kommen grundsätzlich zwei Fugentypen vor:
Zementbasierter Fugenmörtel
Der klassische Fugenmörtel auf Zementbasis wird für die Flächen zwischen den Fliesen verwendet. Er ist formstabil, aber nicht elastisch – er kann also keine größeren Bewegungen aufnehmen. Beim Erneuern wird das alte Material mechanisch entfernt (mit einem Fugenkratzer, Multifunktionswerkzeug oder Fugenfräser), die Fuge gesäubert und neuer Mörtel eingebracht. Wichtig: Die neue Fuge braucht ausreichend Abbindezeit, bevor sie Feuchtigkeit ausgesetzt wird.
Silikonfuge (Randfuge)
Silikon ist elastisch und wird überall dort eingesetzt, wo Bewegungen auftreten oder Anschlüsse abgedichtet werden müssen – also an Wand-Boden-Übergängen, in Innenecken und rund um Badewanne oder Dusche. Altes Silikon lässt sich mit einem Cuttermesser und Silikonentferner herauslösen. Bevor neues Silikon aufgetragen wird, muss der Untergrund absolut sauber, trocken und fettfrei sein – sonst haftet das neue Material nicht dauerhaft.
Epoxidfuge – die robuste Alternative
In stark beanspruchten Bereichen wie Gewerbeküchen oder bodengleichen Duschen kommt manchmal eine Epoxidfuge zum Einsatz. Sie ist extrem widerstandsfähig gegen Chemikalien, Schimmel und mechanische Belastung, aber auch deutlich aufwendiger in der Verarbeitung. Das Erneuern einer Epoxidfuge ist Profi-Arbeit – das Material verzeiht keine Fehler beim Einbringen und Abziehen.
Schritt für Schritt: So läuft die Fugenerneuerung ab
- Altes Fugenmaterial entfernen: Mit einem Fugenkratzer oder einem Multifunktionswerkzeug wird das alte Material sorgfältig herausgefräst – ohne die Fliesenkanten zu beschädigen. Das ist der zeitaufwendigste Teil.
- Untergrund reinigen: Staub, Reste und Schmutz müssen vollständig entfernt werden. Bei Schimmelbefall empfehlen wir ein geeignetes Desinfektionsmittel und ausreichend Trocknungszeit.
- Neues Fugenmaterial einbringen: Den Fugenmörtel oder das Silikon gleichmäßig einarbeiten, überschüssiges Material sauber abziehen und die Oberfläche glätten.
- Aushärten lassen: Je nach Produkt und Raumtemperatur braucht die Fuge 24 bis 72 Stunden, bevor der Bereich wieder normal genutzt werden kann.
Wann sollten Sie einen Fachbetrieb beauftragen?
Einzelne Silikonfugen in einer Küche lassen sich von geschickten Heimwerkern erneuern. Aber sobald es um großflächige Badsanierungen, Schimmelschäden mit unklarer Ursache, Epoxidfugen oder Schäden am Untergrund geht, ist Fachkenntnis gefragt. Wir sehen in unserer Praxis regelmäßig, was passiert, wenn Fugen falsch erneuert wurden: neues Silikon auf alten Resten, falsche Materialwahl, oder Schimmel, der nach kurzer Zeit zurückkommt, weil die Ursache nicht beseitigt wurde. Im Rahmen einer Badsanierung erneuern wir Fugen immer als Teil eines Gesamtkonzepts – das ist nachhaltiger als reine Flickarbeit. Bei Fragen zu Ihrem konkreten Fall helfen wir Ihnen gerne weiter: Nehmen Sie einfach Kontakt zu uns auf.
Häufige Fragen
Kann ich Fugen einfach überfugen, ohne das alte Material zu entfernen?
Nein, das ist keine dauerhafte Lösung. Neues Fugenmaterial haftet auf altem, mürben Untergrund nicht zuverlässig und die Fuge wird erneut versagen. Das alte Material muss vollständig entfernt werden.
Wie lange halten erneuerte Fugen?
Das hängt stark von der Materialqualität, der Verarbeitung und der Nutzungsintensität ab. Gut verarbeitete Zementfugen halten viele Jahre, Silikonfugen an Nassbereichen sollten je nach Belastung alle 5 bis 10 Jahre kontrolliert und bei Bedarf erneuert werden.
Was kann ich tun, um Fugen länger sauber zu halten?
Regelmäßiges Reinigen mit einem pH-neutralen Reiniger verhindert, dass sich Schmutz und Kalk festsetzen. Fugenimprägnierungen können bei zementbasierten Fugen die Porosität reduzieren und die Pflege erleichtern – besonders in Dusche und Küche sinnvoll.
Ist Schimmel in der Fuge ein Zeichen für einen größeren Wasserschaden?
Nicht zwingend, aber es ist ein Warnsignal. Oberflächlicher Schimmel entsteht oft durch mangelnde Lüftung und Feuchtigkeit. Wenn Schimmel immer wieder zurückkommt oder sich hinter den Fliesen Wasser gesammelt hat, sollte die Ursache von einem Fachmann geprüft werden.
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