
Steingut
Fliesen-Glossar
Steingut ist ein keramischer Werkstoff, der durch Brennen bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen entsteht und sich durch seine charakteristische Porosität sowie eine deutlich höhere Wasseraufnahme von anderen Fliesenwerkstoffen wie Steinzeug oder Feinsteinzeug unterscheidet. Im Fliesenbau begegnet man Steingut vor allem als klassisches Material für Wandfliesen im Innenbereich.
Was ist Steingut genau?
Steingut gehört zur Gruppe der keramischen Werkstoffe und wird aus Ton, Kaolin, Quarz und Feldspat hergestellt. Der entscheidende Unterschied zu dichteren Keramiken liegt im Brennprozess: Steingut wird bei Temperaturen zwischen etwa 950 und 1150 Grad Celsius gebrannt. Diese vergleichsweise niedrige Brenntemperatur führt dazu, dass der Scherben – also der eigentliche Grundkörper der Fliese – nicht vollständig sintert, also nicht vollständig verdichtet. Das Ergebnis ist ein poröses, saugfähiges Material mit einer Wasseraufnahme von mehr als zehn Prozent der Eigenmasse. Zum Vergleich: Feinsteinzeug nimmt weniger als 0,5 Prozent Wasser auf. Die typisch weiße oder cremefarbene Oberfläche von Steingutfliesen entsteht durch eine aufgetragene Glasur, die den Scherben versiegelt und erst die eigentliche Nutzbarkeit im Nassbereich ermöglicht.
Einsatzbereiche und Eigenschaften in der Praxis
Aufgrund seiner Materialeigenschaften ist Steingut klar auf bestimmte Anwendungsbereiche beschränkt. Es eignet sich hervorragend für Wandfliesen in Innenräumen wie Bädern, Küchen oder Wohnbereichen. Die Glasur schützt die Oberfläche vor Feuchtigkeit und ermöglicht eine leichte Reinigung. Für Bodenfliesen in stark frequentierten Bereichen ist Steingut jedoch ungeeignet, da der poröse Scherben unter mechanischer Belastung schneller bricht und die Glasur bei Bodeneinsatz einem erhöhten Abrieb ausgesetzt ist. Besonders wichtig: Steingut ist nicht frostsicher. Dringt Wasser in den Scherben ein und gefriert, entstehen Sprengdrücke, die zur Rissbildung oder zum Abplatzen führen. Ein Einsatz im Außenbereich oder in unbeheizten Räumen mit Frostgefahr scheidet daher grundsätzlich aus.
Die Norm DIN EN 14411 klassifiziert keramische Fliesen nach Wasseraufnahme und Herstellungsverfahren. Steingut fällt dabei in die Gruppe BIII (gepresst, Wasseraufnahme über 10 Prozent) beziehungsweise CIII (stranggepresst). Diese Einteilung ist für Verarbeiter und Planer relevant, um das richtige Material für den jeweiligen Einsatzbereich auszuwählen.
Typische Missverständnisse und verwandte Begriffe
Ein häufiges Missverständnis in der Praxis ist die Verwechslung von Steingut mit Steinzeug. Beide Begriffe klingen ähnlich, bezeichnen aber grundlegend verschiedene Materialien. Steinzeug wird bei höheren Temperaturen gebrannt, sintert vollständig und hat eine deutlich geringere Wasseraufnahme. Es ist robuster, frostsicher und für Böden sowie Außenbereiche geeignet. Feinsteinzeug stellt die dichteste und hochwertigste Variante dar. Wer Steingutfliesen verarbeitet, sollte außerdem auf die passende Klebemörtelwahl achten: Da der Scherben saugfähig ist, kann ein falscher Kleber die Haftung beeinträchtigen. Auch das Verfugen erfordert Sorgfalt, damit keine dauerhaft offenen Stellen entstehen, durch die Feuchtigkeit in den Scherben eindringen kann.
- Steingut: porös, Wasseraufnahme über 10 %, nur Innen-Wandbereich
- Steinzeug: dicht gesintert, Wasseraufnahme unter 3 %, Boden und Außen möglich
- Feinsteinzeug: sehr dicht, Wasseraufnahme unter 0,5 %, universell einsetzbar
- Glasur: schützende Oberflächenschicht, bei Steingut zwingend erforderlich
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Steingut und Steinzeug?
Steingut wird bei niedrigeren Temperaturen gebrannt und bleibt porös mit hoher Wasseraufnahme, während Steinzeug vollständig sintert und deutlich dichter ist. Steinzeug ist daher robuster, frostsicher und für Böden sowie Außenbereiche geeignet – Steingut nicht.
Kann man Steingutfliesen im Bad verlegen?
Ja, Steingutfliesen sind für Wände im Innenbereich wie Bäder oder Küchen gut geeignet, solange sie glasiert sind. Für den Bodenbereich oder Bereiche mit Frostgefahr sollte man jedoch auf Steinzeug oder Feinsteinzeug zurückgreifen.
Warum ist Steingut nicht frostsicher?
Der poröse Scherben von Steingut nimmt Wasser auf. Gefriert dieses Wasser, dehnt es sich aus und erzeugt Sprengdrücke im Material, die zu Rissen oder Abplatzungen führen. Deshalb darf Steingut nicht im Außenbereich oder in frostgefährdeten Räumen eingesetzt werden.
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