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Schlämme / Dichtschlämme

Fliesen-Glossar

Eine Dichtschlämme ist eine mineralische oder kunststoffvergütete Beschichtungsmasse, die auf saugfähige Untergründe wie Beton, Mauerwerk oder Putz aufgetragen wird und diese zuverlässig gegen eindringendes Wasser abdichtet. Im Fliesenbau gehört sie zu den wichtigsten Hilfsmitteln beim Schutz von Nassbereichen – vorausgesetzt, man kennt ihre Möglichkeiten und Grenzen genau.

Was ist eine Dichtschlämme und wie funktioniert sie?

Der Begriff Schlämme leitet sich vom Auftragsprinzip ab: Die pastöse oder angemischte Masse wird dünn auf den Untergrund aufgeschlämmt, also mit Bürste, Quast oder Spachtel in die Poren und Kapillaren des Baustoffs eingearbeitet. Dort reagiert sie chemisch mit dem Untergrund und bildet eine wasserabweisende Sperrschicht. Mineralische Dichtschlämmen bestehen im Wesentlichen aus Zement, Quarzsand und Additiven. Kunststoffvergütete Varianten – auch KV-Schlämmen genannt – enthalten zusätzlich Polymerdispersionen, die die Haftung verbessern und die Beschichtung elastischer machen. Beide Typen sind diffusionsoffen, lassen also Wasserdampf entweichen, während sie flüssiges Wasser zurückhalten.

Entscheidend für das Verständnis ist die Unterscheidung zwischen starren und flexiblen Dichtschlämmen. Starre Schlämmen sind rein mineralisch und für rissfreie, stabile Untergründe geeignet. Flexible oder kunststoffvergütete Schlämmen können geringe Rissbreiten überbrücken und werden bevorzugt dort eingesetzt, wo leichte Bewegungen im Untergrund zu erwarten sind – etwa bei Leichtbauplatten oder im Bereich von Wandanschlüssen.

Einsatzbereiche und Abgrenzung zur Verbundabdichtung

Im Fliesenbau begegnet man der Dichtschlämme vor allem in zwei Situationen: als eigenständige Abdichtung bei nichtdrückendem Wasser und geringer Beanspruchung sowie als vorbereitende Maßnahme zur Grundierung und Egalisierung des Untergrunds vor dem Verlegen von Fliesen. Wichtig ist hier die klare Abgrenzung: Eine Dichtschlämme allein erfüllt nicht die Anforderungen einer Verbundabdichtung nach DIN 18534, die für Nassbereiche wie Duschen oder Bäder in Wohngebäuden vorgeschrieben ist. Die Verbundabdichtung erfordert in der Regel flexible Abdichtungsfolien oder -bahnen, Dichtbänder an Anschlüssen und Ecken sowie einen definierten Schichtaufbau. Die Dichtschlämme kann jedoch als ergänzende Schicht im Systemaufbau sinnvoll sein, etwa zur Vorbehandlung saugfähiger oder ungleichmäßig saugender Untergründe.

Typische Einsatzfelder in der Praxis sind:

  • Abdichtung von Kellerwänden und -böden gegen nichtdrückendes Wasser
  • Vorbehandlung von Betonuntergründen vor der Fliesenverlegung
  • Abdichtung von Schwimmbecken und Zisternen (hier spezielle Produkte erforderlich)
  • Ergänzende Maßnahme bei der Sanierung feuchter Mauerwerksuntergründe

Worauf in der Praxis zu achten ist

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist das einmalige, zu dünn aufgetragene Schlämmen. Fachgerecht sind mindestens zwei Lagen im Kreuzauftrag, wobei die erste Lage vollständig durchgetrocknet sein muss, bevor die zweite aufgetragen wird. Die Schichtdicke muss den Herstellerangaben entsprechen – zu wenig Material bedeutet keine ausreichende Abdichtwirkung. Ebenso kritisch ist die Untergrundvorbereitung: Der Untergrund muss tragfähig, sauber und frei von Trennmitteln oder losen Bestandteilen sein. Stark saugende Untergründe sollten vor dem Auftrag angenässt werden, damit die Schlämme nicht zu schnell austrocknet und ihre Wirkung verliert.

Ein weiteres Missverständnis betrifft die Belastbarkeit: Dichtschlämmen sind keine Schutzschichten gegen mechanische Beanspruchung. Sie dürfen nicht auf Dehnnähten oder Bewegungsfugen aufgetragen werden, da sie dort reißen und ihre Dichtwirkung verlieren. An solchen Stellen sind immer flexible Abdichtungssysteme mit Dichtbändern erforderlich. Wer diese Grenzen kennt und die Dichtschlämme systemgerecht einsetzt, hat ein bewährtes und wirtschaftliches Mittel zur Feuchtigkeitsabdichtung im Fliesenbau zur Hand.

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FAQ

Häufige Fragen

Ist eine Dichtschlämme dasselbe wie eine Verbundabdichtung?

Nein, eine Dichtschlämme ersetzt keine Verbundabdichtung nach DIN 18534. Für Nassbereiche wie Duschen ist ein vollständiges Abdichtungssystem mit Dichtbändern und flexiblen Abdichtungslagen erforderlich, in dem die Dichtschlämme allenfalls eine ergänzende Rolle spielen kann.

Wie viele Lagen Dichtschlämme sind nötig?

Fachgerecht sind mindestens zwei Lagen im Kreuzauftrag, wobei jede Lage vor dem nächsten Auftrag ausreichend abgebunden haben muss. Die genaue Schichtdicke und Trockenzeit gibt der jeweilige Hersteller vor.

Kann man Fliesen direkt auf eine Dichtschlämme kleben?

Ja, das ist in der Regel möglich und sogar ein typischer Anwendungsfall, sofern die Schlämme vollständig durchgetrocknet und ausgehärtet ist. Der verwendete Fliesenkleber muss mit der Schlämme kompatibel sein, was vorab anhand der Herstellerangaben geprüft werden sollte.

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