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Kalibrierung / Rektifiziert

Fliesen-Glossar

Rektifizierte Fliesen – auch als kalibrierte Fliesen bezeichnet – sind Keramikfliesen, deren Kanten nach dem Brennvorgang durch einen präzisen Sägeschnitt exakt auf ein einheitliches Endmaß gebracht werden. Dieses Nachbearbeitungsverfahren ist die Grundlage für ein sauberes, gleichmäßiges Fugenbild und wird vor allem bei modernen Großformaten zum Standard.

Was bedeutet Kalibrierung bei Fliesen?

Beim Brennen von Keramikfliesen entstehen durch den Sinterprozess unvermeidliche Maßtoleranzen. Jede Fliese schrumpft minimal, und dieser Schwund fällt nie vollkommen gleichmäßig aus. Unkalibrierte Fliesen weisen deshalb natürliche Maßabweichungen auf, die beim Verlegen durch breitere Fugen ausgeglichen werden müssen. Bei der Kalibrierung – fachsprachlich auch Rektifizierung genannt – werden die gebrannten Fliesen auf einer Schleif- oder Sägeanlage an allen vier Seiten auf ein exaktes Endmaß zugeschnitten. Das Ergebnis sind Kanten mit nahezu rechtwinkligem, scharfem Profil und minimalen Toleranzen im Zehntel-Millimeter-Bereich.

Der Begriff Kalibrierung beschreibt im engeren Sinne die Einteilung von Fliesen in Maßklassen, während Rektifizierung den aktiven Schneidprozess meint. Im Handel und auf Baustellen werden beide Begriffe jedoch häufig synonym verwendet. Entscheidend für die Praxis ist das Ergebnis: Fliesen mit identischen Außenmaßen, die sich fugengenau aneinanderlegen lassen.

Vorteile und typische Anwendungsbereiche

Der größte praktische Vorteil rektifizierter Fliesen liegt in der Möglichkeit, sehr schmale Fugen von 1 bis 2 mm zu realisieren. Das erzeugt ein ruhiges, nahezu nahtloses Flächenbild, das besonders bei großformatigen Fliesen ab 60 x 60 cm oder Rektangelformaten wie 30 x 90 cm sehr gefragt ist. Typische Einsatzbereiche sind:

  • Repräsentative Wohn- und Gewerbeflächen mit Großformat-Optik
  • Wandverkleidungen mit durchgehendem Fugenbild
  • Flächen, auf denen Naturstein oder Betonoptik imitiert werden soll
  • Kombination verschiedener Formate im selben Raum

Weil die Kanten scharf und exakt sind, lassen sich rektifizierte Fliesen auch an Außenecken sauber auf Gehrung schneiden, was ein besonders hochwertiges Erscheinungsbild ergibt.

Worauf in der Praxis zu achten ist

Rektifizierte Fliesen stellen höhere Anforderungen an Untergrund und Verarbeitung. Da die Fugenbreite kaum noch als Toleranzpuffer dient, muss der Untergrund außergewöhnlich eben sein. Unebenheiten im Untergrund oder im Mörtelbett zeichnen sich bei schmalen Fugen direkt als Versatz ab. Gemäß DIN 18157 und den Hinweisen des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes gelten für großformatige, rektifizierte Beläge besonders strenge Ebenheitstoleranzen.

Ein häufiges Missverständnis in der Praxis: Rektifiziert bedeutet nicht automatisch makellos. Auch kalibrierte Fliesen können innerhalb einer Charge minimale Resttoleranzen aufweisen. Deshalb sollten Fliesen aus derselben Charge und Kalibrierklasse verarbeitet werden – die Angabe auf der Verpackung ist hier maßgeblich. Zudem sind die scharfen Schnittkanten empfindlicher gegenüber mechanischen Stößen als die leicht abgerundeten Kanten unkalibrierter Ware. Im gewerblichen Bereich mit hoher Beanspruchung ist das ein Punkt, den erfahrene Fliesenleger bei der Materialwahl berücksichtigen.

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FAQ

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen kalibrierten und rektifizierten Fliesen?

Beide Begriffe beschreiben Fliesen, die nach dem Brand auf ein exaktes Maß gebracht wurden. Streng genommen bezeichnet Kalibrierung die Einteilung in Maßklassen, Rektifizierung den präzisen Sägeschnitt an den Kanten – in der Praxis werden die Begriffe jedoch bedeutungsgleich verwendet.

Wie schmal kann die Fuge bei rektifizierten Fliesen sein?

Bei rektifizierten Fliesen sind Fugenbreiten von 1 bis 2 mm üblich und technisch realisierbar. Eine Fuge komplett wegzulassen ist jedoch nicht empfehlenswert, da Dehnungsbewegungen im Belag ausgeglichen werden müssen.

Sind rektifizierte Fliesen schwieriger zu verlegen?

Ja, der Verlegeaufwand ist höher, weil der Untergrund besonders eben sein muss und keine breite Fuge als Ausgleich dient. Die Verarbeitung erfordert erfahrene Fliesenleger und eine sorgfältige Vorbereitung des Untergrunds.

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