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Naturstein

Fliesen-Glossar

Naturstein bezeichnet jeden Belag- oder Verkleidungswerkstoff, der direkt aus gewachsenem Gestein gewonnen und lediglich mechanisch bearbeitet – also gesägt, geschliffen oder gespalten – wird, ohne chemische Veränderung seiner mineralischen Zusammensetzung. Im Fliesenhandwerk zählt Naturstein zu den anspruchsvollsten und zugleich wertvollsten Materialien überhaupt: Kein Stück gleicht dem anderen, und genau diese Einzigartigkeit macht seinen besonderen Reiz aus.

Gesteinsarten und ihre Eigenschaften

Im Verlegehandwerk begegnen uns vor allem drei geologische Hauptgruppen. Magmatische Gesteine wie Granit entstehen durch erkaltetes Magma und zeichnen sich durch extreme Härte und hohe Druckfestigkeit aus. Sedimentgesteine – darunter Travertin, Kalkstein und Sandstein – wurden über Jahrmillionen aus abgelagerten Mineralien gebildet; sie sind oft poröser und reagieren empfindlich auf Säuren. Metamorphe Gesteine wie Marmor und Schiefer entstanden durch Druck- und Hitzeumwandlung bestehender Gesteine und verbinden dekorative Aderung mit teils erheblicher Empfindlichkeit gegenüber mechanischer Beanspruchung.

Für die Praxis entscheidend ist die Wasseraufnahme des jeweiligen Gesteins, denn sie bestimmt maßgeblich, welches Verlegesystem, welcher Kleber und welche Pflege notwendig sind. Granit nimmt kaum Wasser auf, während Travertin oder Sandstein deutlich saugfähiger sind und entsprechend intensiver imprägniert werden müssen.

Verarbeitung und Verlegung

Naturstein stellt höhere Anforderungen an Untergrund, Kleber und Verarbeiter als keramische Fliesen. Der Untergrund muss besonders eben und schwindfrei sein, da Naturstein Spannungen kaum toleriert und schnell reißt. Für helle oder transluzente Materialien wie weißem Marmor ist zwingend ein weißer Flexkleber zu verwenden, weil Verfärbungen durch den Kleber von unten durchscheinen können. Die Norm DIN 18157 regelt die Ausführung keramischer Bekleidungen, wird im Natursteinbereich aber ergänzt durch die Richtlinien des Deutschen Naturwerkstein-Verbands sowie die DIN 18332 (VOB/C) für Naturwerksteinarbeiten.

  • Vollflächige Verklebung ist Pflicht – Hohlstellen führen zu Bruch
  • Fugenbreite und Fugenmaterial auf die Wärmedehnung des Gesteins abstimmen
  • Helle Steine grundsätzlich mit weißem, flexiblem Kleber verlegen
  • Vor der Verlegung Chargen mischen, um Farbunterschiede zwischen Platten auszugleichen
  • Säurehaltige Reiniger und Fugenmörtel grundsätzlich vermeiden

Pflege, Imprägnierung und typische Missverständnisse

Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, Naturstein sei nach der Verlegung wartungsfrei. Tatsächlich benötigen die meisten Gesteinsarten eine regelmäßige Imprägnierung, die das offene Porensystem hydrophobiert und so das Eindringen von Schmutz, Öl oder Wasser verzögert. Eine Imprägnierung versiegelt die Oberfläche nicht vollständig – sie verlangsamt lediglich die Aufnahme von Flüssigkeiten und erleichtert die Reinigung. Wer Naturstein mit handelsüblichen Haushaltsreinigern pflegt, riskiert Mattierung, Ätzspuren oder dauerhafte Verfärbungen, besonders bei Kalkstein und Marmor.

Verwechslungen entstehen häufig zwischen Naturstein und Feinsteinzeug in Natursteinoptik. Letzteres ist ein keramisches Produkt mit deutlich geringeren Pflegeanforderungen, jedoch ohne die haptische Tiefe und die lebendige Zeichnung echten Gesteins. Wer den Begriff Naturstein liest, sollte also stets prüfen, ob tatsächlich gewachsenes Gestein oder ein Keramikimitat gemeint ist.

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FAQ

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Naturstein und Feinsteinzeug in Steinoptik?

Naturstein ist gewachsenes, geologisch entstandenes Gestein, das lediglich mechanisch bearbeitet wird. Feinsteinzeug in Steinoptik ist ein keramisches Industrieprodukt, das Naturstein imitiert, aber deutlich pflegeleichter und gleichmäßiger in Farbe und Struktur ist.

Muss Naturstein immer imprägniert werden?

Die meisten Natursteinarten sollten vor der Nutzung und in regelmäßigen Abständen imprägniert werden, um das Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit zu verlangsamen. Ausnahmen bilden sehr dichte Gesteine wie polierter Granit, der von Natur aus kaum saugfähig ist.

Welche Reinigungsmittel sind für Naturstein geeignet?

Naturstein darf ausschließlich mit pH-neutralen, speziell für Naturstein geeigneten Reinigern gepflegt werden. Säurehaltige Mittel – auch vermeintlich milde wie Essig oder Zitronensäure – greifen Kalkstein, Marmor und Travertin dauerhaft an und hinterlassen matte Ätzspuren.

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